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Losung des Tages
 
Losung für heute:

In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.
Psalm 31,6

Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Römer 8,2

© Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine

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Kirchengeschichte

Herausgegeben vom Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde St. Marien.
Alle Rechte am Bild liegen bei der ev. Kirchengemeinde St. Marien in Harzgerode. Wir danken der Harzsparkasse für Ihre freundliche Unterstützung.

 

 

 

Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.

 

 

Embleme
Als kulturgeschichtliches Zeugnis von weit überregionaler Bedeutung ist wohl die Emblematiksammlung anzusehen. Sie hat ihre Vorlage in dem Buch „Devises et emblemes“ von Daniel de la Feuille aus dem Jahr 1691.


Diese 65 Exponate umfassende Sammlung stellt ein Bildungs- und Erbauungsbuch dar, das sich dem Betrachter in zwei Blicken erschließt, im ersten offensichtlichen und im zweiten von Symbolik begleiteten (s. die ausführlichen Erläuterungen im Band zur Entschlüsselung der Sammlung „Licht gehet hinein…“).


Als Beispiel sei das Emblem Nr. 2 genannt: der weiße Hund unter einem Baum sitzend. Die Devise gibt fast wörtlich das Wort des auferstandenen Christus „noli me tangere“- „rühr mich nicht an“ (Johannesevangelium 20, 16-17) wieder. Der weiße Hund, Sinnbild der Treue, bewacht hier als „domini cane“ (Hund des Herrn) den Baum der Erkenntnis. Weiß ist die liturgische Farbe von Ostern, rot die Farbe des Blutes Christi. So sehen wir hier ein Auferstehungszeugnis.

 

Zeugnisse der Residenzzeit
Albertine
Auf dem Medaillon sieht man das Silberbergwerk, dem der Fürst den Namen seiner ersten Frau gegeben hat „Albertine“. Es handelt sich links um ein Göpelwerk, bei dem Pferde die Fördertonnen mit dem Erz nach oben ziehen. Bei den Bergleuten rechts im Schacht handelt es sich um den Hauer beim Vortrieb und weiter vorne um den Karrenläufer, der das Erz zum Füllort bringt. Rechts im Bild sieht man ein Kunstrad, das den Fortschritt der Industrialisierung zeigt. Es ersetzt den Göpel.

 

Die Gruftanlagen
Unter dem Fürstenstuhl befindet sich die unzugängliche Gruft des Fürsten Friedrich. Hier wurden seine beiden Frauen Johanna Elisabeth von Nassau-Hadamar (+ 02.03.1647) und Anna Katharina von Lippe (+1659) beigesetzt., die er 1642 in Bückeburg geheiratet hatte und Anna Katharina von Lippe (+ 15.10.1659) zwei Jahre nach ihrer Hochzeit beigesetzt.

 

Ebenfalls seine älteste Tochter Prinzessin Anna Ursula (* 24.06.1645 + 25.02.1647), die von ihrer Mutter nur um wenige Tage überlebt wurde. Bei einer Baumaßnahme unter dem Fürstenstuhl wurde diese Gruft in den 1950er Jahren erstmalig entdeckt. bei einer Baubegehung 2012 zum zweiten Mal. Die Fotos entstammen dieser Baubegehung. Die Gruft wird verschlossen bleiben, so wie sie es war.

 

Der Fürstenstuhl
Der Fürstenstuhl, der mit der Erhabenheit über der Kanzel eine eher außergewöhnliche Höhe bietet, diente bis 2003 als Winterkirche und wird nun bei großen Veranstaltungen genutzt.


Über ihm prangen die Bildnisse des Fürsten Wilhelm in der Mitte, links seine erste Frau Elisabeth Albertine von Solms-Laubach, rechts seine zweite Frau Sophia Augusta von Nassau-Dillenburg.

 

Das Fürstenbild
Als weiterer kulturhistorischer Höhepunkt ist das überlebensgroße Metallbild, das Fürst Wilhelm und Fürstin Elisabeth Albertine zeigt, zu betrachten. Dieses Bild befand sich ursprünglich in der Gruft, ehe es um 1900 seinen Platz im Inneren des Kirchenschiffes fand.

 

Die Emporen
3 Emporen, ein imposanter Fürstenstuhl, der die ganze Breite der Ostseite einnimmt und der durch die von 6 korinthischen Säulen getragene verglaste Loge bestimmt wird, und die auf der Westseite geschnitzten Fenster, hinter denen sich die (nicht mehr vorhandenen) Ehrenlogen befanden, prägen das Bild der Kirche, alles in österlichem Weiß gehalten und mit Gold verziert.


An dem Emporen ist an der Ostseite im Altarbereich die Wappensammlung des Fürsten Wilhelm zu sehen, an den anderen Emporen, über zwei Etagen, befindet sich die 72 Exponate umfassende Emblematiksammlung. Links neben der Kanzel befinden sich zwei Ovale, die hiesige Motive zeigen: die Grube Albertine und die Silberhütte. Unter dem Bereich des alten Altars befindet sich die nicht zugängliche Gruft des Fürsten Friedrich von Anhalt-Bernburg-Harzgerode, vis-a-vis die zugängliche Gruft, in der Fürst Wilhelm, seine erste Frau Elisabeth Albertine von Solms-Laubach, seine Nichte Prinzessin Augusta Elisabeth (+1709) und Prinzessin Wilhelmine Augusta (+1767), die sog. „Blekprinzessin“, ruhen.

 

Die Kanzel
Die Kanzel besaß vor der Restaurierung zwei Pulte, eines zur Gemeinde hin gewandt, das noch erhalten ist, und ein weiteres zum Fürstenstuhl hingewandt, das nicht mehr existiert. Ebenfalls verschwunden ist die Taube als Zeichen des Heiligen Geistes, die die Schalldecke zierte.

 

Der Turm
Der Turm, in dem bis 1956 die Türmer von Harzgerode lebten und ihren Dienst versahen, beherbergt heute in der ehemaligen Wohnung im oberen Geschoss das Türmerstübchen, das der alten Wohnung nachempfunden ist, und im unteren Stockwerk das Apothekenmuseum
mit Exponaten der 1649 in Harzgerode gegründeten Bergapotheke.

 

Wappensammlung
Die Allianzwappen unter Zobelmantel und Kurhut (!) zur Linken und Rechten bilden sich wie folgt: Zur (heraldisch) Rechten sind die Allianzwappen aus den oberen Wappen des Fürsten 1-6 (wobei das Herzschild nicht wie üblich als Nr. 1 gezählt wird, sondern sich als Nr. 5 einreiht) und den vier Wappen seiner ersten Frau Elisabeth-Albertine von Solms-Laubach gebildet. Zur (heraldisch) Linken folgen die unteren fürstlichen Wappen 7-12, kombiniert mit den vier Wappen der zweiten Frau Sophia-Auguste von Nassau- Dillenburg. Die Zählrichtung geht jeweils von innen nach außen. Die Differenz zwischen den je 6 fürstlichen Wappen und den je 4 Wappen der angeheirateten Linien sowie auch die unterschiedliche Flügellänge wird durch „zahnradmäßig rotierende“ Wiederholungen kompensiert.

 

Orgel
Die Orgel wurde 1899 von Orgelbaumeister Ernst Röver aus Hausneindorf erbaut. 1995 wurde sie restauriert und wieder mit einem Orgelprospekt versehen. Sie besitzt 2 Manuale, 1 Pedal und 22 Register.

 

Glocken
Gottesdienstliches Geläut
Im Saalbuch der Stadt ist unter Nr. 28 festgehalten: „uff dem Rathause Hatzkeroda befindet sich ein Testimonium, das Anno 1040 Burkardus zu Halberstadt sub dato Eisleben dem Rath zu Hatzkeroda vergönnet und nachgelassen, zwo Glocken vom Turme zu Anhalt in die Stadt zu nehmen.“ Dies wäre als die älteste urkundliche Erwähnung von Glocken in Anhalt zu sehn.


Die Kirche besaß Bronzeglocken, die jedoch dem 1. Weltkrieg zum Opfer fielen. 1926 wurden drei Stahlglocken angeschafft, die in Apolda gegossen wurden.


Sie tragen folgende Inschriften:

  • Große Glocke: „ Für Bronze Stahl in Zeit der Not“
  • Mittlere Glocke: „ Hilf uns in Gnaden treuer Gott“
  • Kleine Glocke: „ Laß merken uns auf dein Gebot“.

 

Baugeschichte
Mehreren Vorgängerbauten folgte die St.-Marien-Kirche in ihrer heutigen Form im Jahr 1698, nachdem Fürst Wilhelm von Anhalt- Bernburg-Harzgerode (1643-1709) und der damalige Superintendent Lippianus entschieden hatten, die Vorgängerkirche auf das Doppelte nach Norden hin zu vergrößern, so dass vom Vorgängerbau nur der Turm und der Teil des Kirchenschiffes erhalten blieben, der von der südlichen Tür am Chor bis zum heutigen Eingang zum Fürstenstuhl reichte. Das älteste erhaltene Zeugnis eines Kirchbaus zeigt sich auf einem Gesimsstein an der Südseite des Turmes und datiert 1523. Der Turmunterbau stammt wohl aus der Zeit um 1550. Es handelt sich um einen rechteckigen aus Schichtenmauerwerk ausgeführten Unterbau mit Rundbogen-Schalllöchern. Ein romanisches Kirchendach hatte unter dem mittleren Schallloch der Ostseite seinen First und seine Traufe etwa 6 m über dem Erdboden. 1530 brannte das Gotteshaus ab. Im Jahr 1635 fiel die Kirche letztmalig den Flammen zum Opfer. 1691 wurden größere Schäden festgestellt, so dass es zum Beschluss der Erneuerung kam. Am 18. August 1698 wurde die Einweihung des neu errichteten Gotteshauses vorgenommen. Die Maurerarbeiten wurden durch Maurer aus Tirol durchgeführt. Der Zimmermann Hans Schönkerl aus Siptenfelde zeichnete für die Emporen und das Schnitzwerk verantwortlich.

 

Seigerglocke
In der Laterne hängt die 1486 gegossene und 1725 umgegossene Seigerglocke, die mit der Aufschrift versehen ist: „1486 gegossen und umgegossen nach Hartzigerode durch Peter Becker in Halle 1725“.

 

Turm
Türmerstübchen
Bis 1956 wohnte im Turm die Familie des Türmers oder der Türmerin, deren Aufgabe es war, für Ordnung in der Kirche zu sorgen, das gottesdienstliche Geläut zu betätigen, die Uhrzeit zu schlagen und vor allem Feuerwache zu halten und dann ggf. aus einer der in alle vier Himmelsrichtungen befindlichen Luken in der Turmhaube die Fackel zu halten und „Feuer“ zu läuten. Ein dem Wohnraum der letzten Türmerfamilie nachempfundenes Türmerstübchen kann heute im Turm besichtigt werden.

 

Sie haben das Museum betreten,

  • weil Sie sich für die einzigartige Emblematiksammlung interessieren
  • weil Sie das große Anhaltische Staatswappen in seiner besonderen Form anschauen möchten
  • weil Sie sich für die Anhaltische Residenzzeit (1697-1767) interessieren und die Zeugnisse im außermusealen Standort Anhalter Residenzmuseen betrachten möchten
  • weil Sie eine der Anhaltischen Grablegen, nämlich die des Fürsten Wilhelm von Anhalt-Bernburg-Harzgerode besuchen möchten und sich dem Gedanken des Todes angesichts der mumifizierten „Bläkprinzessin“ stellen wollen

 

Sie haben einen besonderen Ort Harzgeröder Tradition gesucht,

  • weil Sie das Leben auf dem Turm interessiert und Sie ihm im Türmerstübchen nachspüren können
  • weil Sie Leib und Seele im Einklang im Apothekenmuseum des Turms entdecken möchten

 

Sie haben einen Kunstraum betreten,

  • weil Sie sich für die gerade laufende Ausstellung im Kirchenschiff interessieren
  • weil Sie sich an der Musik hiesiger Künstler oder der Musik vieler Gäste erfreuen möchten

 

Sie haben die Citykirche betreten,

  • weil Sie gemeinsam mit anderen an einem ungewohnten Ort essen möchten, zum Beispiel am Tag der Regionen oder beim Benefizessen anlässlich eines besonderen Ereignisses

 

Apothekenmuseum
Im ersten Stockwerk des Turms befindet sich das Apothekenmuseum. Die Bergapotheke in Harzgerode wurde 1649 gegründet. Exponate aus dem Lauf ihrer Geschichte fanden sich im Fundus der heutigen Apotheke und wurden zusamnmengetragen zum „Harzgeröder Apothekenmuseum“. „Pillen drehen“, Destillation u.v.m. kann hier nachvollzogen werden.


Hier wird der Gedanke von Heilung und Heil, wie er schon in den Klöstern und bei Katharina von Bora zu finden war, dokumentiert.

 

Zeittafel
16.11.1613 Geburt des Fürsten Friedrich von Anhalt-Bernburg-Harzgerode

1630

 

1635

verlor er mit 17 Jahren seinen Vater. Nach sorgfältigem Unterricht ging er
der damaligen Sitte gemäß auf Reisen; sein Bruder Christian besorgte in dieser
Zeit die Regierung

Friedrich wird Fürst von Anhalt-Bernburg-Harzgerode

10.08.1642 Hochzeit mit Johanne Elisabeth, geb. Gräfin zu Nassau-Hadamar
18.08.1643 Geburt des Prinzen Wilhelm
24.06.1645 Geburt der Prinzessin Anna Ursula
25.02.1647 Prinzessin Anna Ursula verstirbt
11.02.1647 Geburt der Prinzessin Elisabeth Charlotte
02.03.1647 Fürstin Johanne Elisabeth verstirbt
Prinz Wilhelm wird zur Erziehung zum Fürsten Johann Casimir nach Dessau
geschickt, da Fürst Friedrich auf Reisen geht, wobei er 1651 zu Venedig eine
„Confraternität der ewigen Freundschaft“ gründet
1656 Rückkehr Fürst Friedrichs nach Harzgerode
26.05.1657 Hochzeit des Fürsten Friedrich mit Anna Katharina, geb. Gräfin zu
Lippe-Detmold
15.10.1659 Fürstin Anna Katharina verstirbt
1660 Fürst Friedrich wird Senior des Hauses Anhalt
30.06.1670 Fürst Friedrich verstirbt
1671 Hochzeit Fürst Wilhelms mit Elisabeth Albertine von Solms-Laubach

1693

1695

 

1698

Fürstin Elisabeth Albertine verstirbt
Hochzeit des Fürsten mit Sophia Augusta von Nassau-Dillenburg

 

Bau der Kirche beendet

14.12.1709 Fürst Wilhelm verstirbt. Die Linie Anhalt-Bernburg-Harzgerode
endet